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Bilateral relations
2004-12-15 16:54
Rede vom Chinesischen Botschafter Herrn Zhu Bangzao
an der Generalversammlung
der Swiss Chinese Chamber of Commerce

Es ist mir eine große Freude, an der diesjährigen Generalversammlung der Swiss Chinese Chamber of Commerce teilnehmen und die anwesenden Freunde aus der Schweiz kennenlernen zu können. Sie sind die Protagonisten in den freundschaftlichen Beziehungen insbesondere in den Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und der Schweiz. Gleichzeitig möchte ich im Namen der Chinesischen Botschaft der Swiss Chinese Chamber of Commerce meinen herzlichen Dank für ihre unermühtlichen Bemühungen zur Förderung der Freundschaft zwischen den beiden Ländern aussprechen.
Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen China und der Schweiz erfuhren in den letzten Jahren eine rapide Entwicklung. China ist für die Schweiz nach Japan der zweitgrößte Handelspartner in Asien. Chinesischen Statistiken zufolge, betrug das Handelsvolumen zwischen China und der schweiz 3,5 Mia. US $ im Jahr 2003. Darunter entfielen 800 Mio. US $ auf den chinesischen Export und 2,7 Mia. US $ auf den Import. Viele schweizerische Unternehmen haben in China Fuß gefasst. Bis Ende 2003 hat die chinesische Regierung insgesamt 613 Projekte von Unternehmen mit Kapitalbeteiligung der schweizerischen Firmen genehmigt, das verwirklichte Investitionsvolumen betrug 1,9 Mia. US $. Pharmaindustrie, Chemie, Maschinenbau, Elektronische Industrie, Nahrungsmittel und Dienstleistung sind Favoriten bei den Investitionsbranchen und die meisten schweizerischen Unternehmen sind im Küstengebiet angesiedelt.
Seit der Reform und Öffnungspolitik 1978 erfreut sich Chinas Wirtschaft einer dynamischen Entwicklung. Das sozialistische Marktwirtschaftssystem hat erste Gestalt angenommen und ein allseitiges Öffnungsgefüge ist zustande gekommen. Die jährliche durchschnittliche Wachstumsrate betrug 9,4%. Die Lebensqualität und Kaufkraft der Bevölkerung hat sich erheblich erhöht. Immobilien, Auto, Elektronik, Reise und Kommunikation sind Highlights des Konsums. China ist der viertgrößte Autoproduzent und drittgrößte Autokonsument der Welt. Der chinesische Import ist jährlich um 15% gestiegen. Damit ist China der drittgrößte Importeur der Welt. Von 2001 bis 2003 hat China Waren im Wert von 1 Billion US $ eingeführt. 2003 haben die chinesischen Touristen 20 Mio. mal die Grenzen überschritten. Nach Schätzung der World Tourism Organisation wird China eines der größten Herkunftsländer der Welt sein.
Der chinesische Markt ist ein offener Markt. Seit dem Beitritt zur WTO verfolgt China strikt und allseitig seine Verpflichtungen. Der Gesamtzolltariff ist von 15,3% 2001 auf 10,4% gesunken. Die meisten nichttariffären Handelshemmnisse wurden aufgehoben. Die eröffneten Gebiete werden ständig erweitet. Maßnahmen zu Gunsten der ausländischen Investoren wurden ergriffen, um ein gerechtes und absehbares Umfeld geschaffen zu werden. Der Schutz des geistigen Eigentums wird verstärkt. China ist inzwischen einer der attraktivsten Investitionsstandorte der Welt. 400 von den 500 größten transnationalen Unternehmen in der Welt sind bereits in China angesiedelt. Von 1978 bis März dieses Jahres betrug das verwirklichte ausländische Investitionsvolumen 515,5 Mia. US $. Wir ermutigen und unterstützen sonst auch chinesische Investitionen im Ausland. Bis Ende 2003 haben die chinesischen Unternehmen 1,1 Mia. US $ in mehr als 160 Ländern investiert.
Obwohl China beträchtlichen Erfolg erzielt hat, bleibt es immer noch ein Entwicklungsland wegen der riesigen Bevölkerung und schwachen Ausgangsbasis. Um die Modernisierung zu verwirklichen und eine Wohlstandsgesellschaft aufzubauen müssen weitere Anstrengungen unternommen werden. Wir haben das Ziel festgesetzt, in den ersten 20 Jahren dieses Jahrhunderts eine Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand zu gründen und bis 2020 das BIP zu vervierfachen. Das entspricht 4 Billionen US $. Um das Ziel zu erreichen, benötigen wir eine allseitige ausgewogene und nachhaltige Entwicklung. Die Größe Chinas hat eine ungleichmäßige Entwicklung in den verschieden Regionen zur Folge. Darum hat China die Going West Strategy und Belebung der alten Industriebasen in Nordostchina lanciert. Gleichzeitig legen wir viel Wert auf eine Harmonische Entwicklung zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, Mensch und Natur sowie Schutz der Umwelt.
Werfen wir einen Blick in die Zukunft, ist die Kooperation zwischen China und der Schweiz aussichtsreich. China ist das größte Entwicklungsland und verfügt über zahlreiche Arbeitskräfte und einen großen Markt. Die Schweiz ist ein entwickeltes Land und federführend in Wirtschaft und Technologie. Die beiden Volkswirtschaften können sich gegenseitig gut ergänzen. Die Investitionen von schweizerischen Großunternehmen erreichten schon gewisses Ausmaß. China ist für sie ein wichtiger Markt. Heute sind Schindler, Nestle, Roche und Jeorge Fischer bekannte Namen in China. China ist ein wichtiger Absatzmarkt für schweizerische Uhren. 2003 stieg der schweizerische Uhrenexport um 109%. China ist der drittgrößte Markt für schweizerische elektronische Geräte und Maschinen. Im Dienstleistungsbereich hat UBS als eine der ersten ausländischen Banken die Lizenz erworben, auf dem chinesischen Renminbi-Aktienmarkt als Qualified Foreign Institutional Investor zu investieren. Swiss Re hat als erste ausländische Rückversicherungsfirma eine Filiale in Beijing eröffnet. Die Schweiz ist offizielle Destination für chinesische Touristen. Die wachsende Zahl der chinesischen Touristen wird dem schweizerischen Tourismus Chance bringen.
Die KMU sind der Rückgrad in der schweizerischen Exportwirtschaft. Allerdings stoßen sie bei der Erschließung neuer Märkte häufig auf größere Schwierigkeiten im Vergleich zu Großunternehmen. Die Gründe dafür: 1. Sie sind klein und besitzen wenige Geldmittel; 2. Wegen des geographischen Abstands und unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds kennen sie sich mit dem chinesischen Markt und den betreffenden Gesetzen nicht aus; 3. Die Suche nach lokalem Partner und Mitarbeitern erweist sich als schwierig.
Trotzdem birgt in sich die Kooperation viel Potenzial. 1. Das bilaterale Handelsvolumen wächst zwar schnell, macht aber einen kleinen Anteil an dem jeweiligen Gesamthandelsvolumen aus. Der Umfang der schweizerischen Investitionen in China entspricht ihrer wirtschaftlichen Stärke nicht. 2. Der Aufschwung von Chinas Wirtschaft bietet neue Märkte. Nur wenn man schnell drauf reagiert, kann man sich erst auf dem Markt etablieren. Der letzte Punkt, und auch ein ganz wichtiger Punkt, China und die Schweiz pflegen stets gute Beziehungen.
Um die finanziellen Schwierigkeiten zu bewältigen, haben die China State Development Bank und Seco im Jahr 1998 Sino Swiss Partnership Fund ins Leben gerufen. Der Fonds zielt auf die Unterstützung der Sino-Swiss Jointventure bei der Erschließung des chinesischen Marktes. Er hat bisher 9 Projekte mitfinanziert. Außerdem dienen der Start-up Fonds von Seco und Asean-China Investment Fund den KMU als Risikokapital.
China begrüßt die schweizerischen Investitionen. Die Regierung und Behörde sind hilfsbereit. Dies zeigt sich vor allem in den zahlreichen Investitionskonferenzen von chinesischen Provinzen und Städten in der Schweiz. Ihre Vorstellung über den jeweiligen Investitionsstandort und die von Ihnen demonstrierte Leidenschaft haben die schweizerischen Investoren sicherlich beeindruckt.
Ein Musterbeispiel für die Kooperation zwischen den KMU ist das Swiss Center Schanghai, unter Zusammenarbeit zwischen der Freiburgischen Industrie-, Dienstleistungs- und Handelskammer und Schanghai Minhang Wirtschaftszone. Es bietet den neu eingetrittenen KMU eine Reihe von Dienstleistungen. Erfolgreiche KUM sind dort zusammen vertreten und bilden damit einen Synergieeffekt. Es hilft den KMU, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen. Die schweizerischen KMU genießen mit ihrem Know-how und ausgezeichneten Dienstleistungen einen guten Ruf in China und können sicherlich davon profitieren.
In der rechtlichen Hinsicht hat die chinesische Regierung den Katalog über die prioritären Branchen für ausländische Investitionen veröffentlicht. Es umfasst folgendes: Inländer-Behandlung für ausländische Unternehmen; Erweiteter Marktzugang, insbesondere im Dienstleistungsbereich wie Banken, Versicherung, Telecom, Transport, Handel, Tourismus, Buchhaltung, Wirtschaftsprüfung und Rechtsberatung. Eine einheitliche standardisierte und transparente Politik für den Zugang der Investitionen wird durchgeführt. Ausser einiger für die Wirtschaft relevanten Branchen und Unternehmen wurden die Beschränkungen für den Anteil der ausländischen Beteiligung an einer Jointventure aufgehoben. Das KMU-Förderungsgesetz ist in Kraft getritten. Der Staat unterstützt die KMU von den Perspektiven Finanzierung, Firmengründung, technologische Innovation, Markterschließung und soziale Leistung. Nach den Anforderungen der WTO werden neue Außenhandelsgesetz, Gesetz über Urheberrecht, Patentschutz und Markenschutzgesetz eingeführt.
Um die Zusammenarbeit zu verstärken, hätte ich folgende Vorschläge:
1. Schweizerische Unternehmen sollten sich aktiv für den chinesischen Markt einsetzen, sich durch verschiedene Kanäle darüber informieren und den Markt selber erleben. Aller Anfang ist schwer, aber man sagt auch, der Duft der Winterblume kommt von der Kälte her.
2. Die Regierungen, Handelkammer und Institutionen sollten die Zusammenarbeit intensivieren. Die Schweiz verfügt über komplette Wirtschaftsorgane wie Osec, Swiss Business Hub, Sofi sowie die Swiss Chinese Chamber of Commerce. Sie organisieren für die schweizerischen Unternehmen Reise nach China, veranstalten Seminare usw. Die chinesische Regierung und Handelskammer spielen auch eine aktive Rolle. Die Handelsabteilung der Chinesischen Botschaft vermitteln Informationen zwischen Unternehmen beider Länder. Durch rechtzeitigen und regelmäßigen Austausch können wir gemeinsam auf die interessierten Fragen eingehen.
3. Intensivierung der Zusammenarbeit in High-Tech-Bereich und F&E. Die Stärke der schweizerischen Unternehmen liegt an dem Know-how und der guten Qualität der Produkte. Die chinesischen Unternehmen bemühen sich gerade auch um Erhöhung der Technologie. Durch Zusammenarbeit kann ein win-win Deal verwirklicht werden.
4. Die Kooperationsformen können flexibel sein. In China sind bereits zahlreiche private und Dorf- sowie Gemeindeunternehmen vorhanden. Sie haben erste Erfahrungen angesammelt und gewinnen immer meht an Bedeutung. Sie sind flexibel und lernbereit. Die Zusammenarbeit mit Ihnen ist eine gute Initiative. Ausßerdem gibt es in den Städten und Provinzen Wirtschaftszonen, Technoparks und Zollverschlußzonen. Mit günstigen Bedingungen bieten sie eine Plattform für ausländische Investoren.
5. Bei der Auswahl der Investitionsorte sollten sowohl der Osten als auch der Westen, nicht nur die neuen sondern auch die alten Industriestandorte berücksichtigt werden. China setzt gerade die Going-West-Strategy und die Belebung der alten Industriestandorte Nordostchinas tatkräftig fort. Im Aufbau der Infrakstruktur, Umweltschutz, Beratung, High-Tech, Entwicklung des Tourismus besteht ein hoher Bedarf. Darüber hinaus bieten die Regierungen im Westen den Investoren eine Art von Supra-Inländerbehandlung, d.h. günstigere Bedingungen als in den Küstengebieten. Nordostchina besitzt relative komplette Industriegrundlage genießt bis heute noch industrielle Forschungs- und Personalvorteile. Die Universitäten und Hochschulen konzentrieren sich dort. Die Ressourcen auszunutzen, wird zum Erfolg in China beitragen.
Am Schluß bin ich überzeugt, durch gemeinsame Anstrengungen können wir bestimmt eine brilliante Zukunft gewinnen. Nochmal herzlichen Dank für die Gelegenheit, die die Swiss Chinese Chamber of Commerce mir geboten hat. Und ich wünsche der Generalversammlung viel Erfolg.

Vielen Dank.
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